
Weißer Einband und protzige goldene Lettern: Man sieht dem Buch seine amerikanische Herkunft an. Auch der plakative Hinweis auf die US-Bestsellerlisten lassen vermuten, daß es viele Menschen gibt, die gerne wüßten, warum sie selbst keine Überflieger sind …
Es liegt der Verdacht nahe, daß auch ich zu diesen Leuten gehöre, oder warum sonst hätte ich mir dieses Buch gekauft?
Titel: Überflieger: Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere nicht. Von Malcolm Gladwell.
Aus dem Inhalt:
Warum sind manche Menschen erfolgreiche Überflieger – und andere nicht? Eigentlich ist die Frage geklärt: Erfolg beruht auf Fleiß, Ausdauer, Begabung und Glück. Aber ist das schon die ganze Wahrheit? Oder gibt es vielleicht tiefer gehende Erklärungen für erstaunliche Erfolgsphänomene? Malcolm Gladwell [...] zeigt, in welch hohem Maße Erfolg vom Umfeld eines Menschen, von seiner kulturellen Prägung und mehr oder weniger zufälligen geschichtlichen Gegebenheiten abhängig ist.
Meine Meinung zu diesem Buch:
Malcolm Gladwell liefert all denen unter uns, die eben keine erfolgsverwöhnten Überflieger sind, eine wohltuende Erklärung für diese eher unerfreuliche Tatsache. Er vertritt nämliche die ketzerisch wirkende These, daß Erfolg eben nicht (nur) auf außergewöhnlicher Begabung oder Talent beruht, sondern zu einem großen Teil auf kulturellen Rahmenbedingungen, zufälligen Gegebenheiten und somit nicht zuletzt – auf Glück.
Er untermauert dabei seine Aussage mit vielen verblüffenden Beispielen und Belegen, die durchaus nachdenklich machen können. So sind z.B. die meisten der amerikanischen Eishockeyspieler der Spitzeklasse im Januar oder Februar geboren, bekannte Größen in der IT-Branche kamen um das Jahr 1955 auf die Welt und für mathematische Überflieger scheint Asien die ideale Herkunftsregion zu sein.
Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Teil 1 mit dem Namen “Chance” erläutert, warum Menschen, die bereits erfolgreich sind, eher die Chance auf weiteren Erfolg bekommen als weniger erfolgreiche Zeitgenossen. Außerdem wird gezeigt, warum z.B. ein hoher IQ nicht zwangsläufig bedeutet, daß jemand diesen Intelligenzvorsprung auch tatsächlich gewinnbringend umsetzen kann. Wichtiger scheint zu sein, daß darüberhinaus entsprechende Chancen geboten werden und man auch in der Lage ist, diese Chancen wahrzunehmen.
Das Glück, zur rechten Zeit am rechten Ort geboren zu sein, hat Gladwell zu Folge einen viel größeren Einfluß auf zukünftigen Erfolg, als schiere Intelligenz und Talent. Wobei letztere zweifellos hilfreich sind wenn es darum geht, gebotene Chancen tatsächlich auch aufzugreifen.
Im Teil 2 (“Erbe”) geht Gladwell auf den Einfluß der kulturellen Herkunft auf den Erfolg von Überfliegern ein. Er baut dabei leicht nachzuvollziehende Argumentationsketten auf, wobei er dazu oftmals weit ausholt, wie etwa bei der Erklärung des Zusammenhangs von Flugzeugabstürzen mit der Kultur der Piloten. Gladwell versteht es aber, immer wieder den Kreis argumentativ und einleuchtend zu schließen und geht schließlich auch auf sein eigenes kulturelles Erbe ein.
Sicherlich oftmals vereinfachend dargestellt, aber deshalb gut nachvollziehbar und mit verblüffenden Aha-Effekten.
Bewertung:
4 von 5 Lesezeichen
Überflieger: Warum manche Menschen erfolgreich sind — und andere nichtMalcolm Gladwell. 265 Seiten. Erschienen im Campus Verlag.
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