
Wer kennt sie nicht, die typisch amerikanischen Erfolgsstories. Die Berichte über Leute, die es von ganz unten bis ganz nach oben an die Spitze geschafft haben. Bei diesem Buch ist es genau anders herum.
Es handelt sich sozusagen um eine “Vom-Millionär-zum-Tellerwäscher”-Geschichte.
Titel: Starbucks und ich. Wie ich alles verlor und das Glück wiederfand. Von Michael Gates Gill.
Aus dem Inhalt:
Michael Gates Gill, seit über fünfundzwanzig Jahren Kreativdirektor in einer der größten Werbeagenturen der Welt, wird von einem Tag auf den anderen auf die Straße gesetzt. Als dann auch noch seine Ehe zerbricht und sein Arzt bei ihm einen Gehirntumor diagnostiziert, scheint für Michael alles zu Ende zu sein. Völlig deprimiert trinkt er eines Tages einen Kaffee bei Starbucks, als er ein Angebot erhält, das sich als die Chance seines Lebens entpuppt …
Meine Meinung zu diesem Buch:
Die schlichte aber irgendwie elegante Aufmachung des Buchs hat mich neugierig gemacht. Als ich den Text auf dem Buchrücken und den Klappentext auf der Innenseite gelesen hatte, wurde ich noch neugieriger. Hier schreibt doch tatsächlich jemand über seinen eigenen sozialen Abstieg – und gewinnt allem Anschein nach dem Ganzen noch etwas Positives ab.
Diese Geschichte klingt wirklich abenteuerlich, eigentlich fast unglaublich. Um es vorwegzunehmen: Ich bin mir auch jetzt noch nicht sicher, ob es sich wirklich um eine wahre Begebenheit handelt oder nur um eine gut gemachte Werbeaktion von Starbucks. Wie dem auch sei, unabhängig vom Wahrheitsgehalt handelt es sich um eine schöne Geschichte. Das Buch passt gut in unsere Zeit, in der immer alles schneller geht, alle nur die Ellbogen einsetzen und jeder immer noch höher hinaus will. Und in der man eines Tages plötzlich und vielleicht unverschuldet den Boden unter seinen Füßen weggezogen bekommt.
So ist es dem Autor Michael Gates Gill ergangen. Er beschreibt seinen Rauswurf bei einer großen Werbeagentur, den gescheiterten Versuch, anschließend als Berater Fuß zu fassen, den Zusammenbruch seiner Ehe und schließlich die Diagnose einer schweren Krankheit. Dann bekommt er eher zufällig von einer jungen Schwarzen einen Job als Putzmann und Mädchen für alles in einer Starbucks-Filiale angeboten, den er schließlich annimmt.
Die Erzählung handelt überwiegend davon, wie sich Gill langsam an seine neue Situation gewöhnt, wie er sich in seinen neuen Job einlebt und eine persönliche Wandlung durchmacht. Und wie er durch diese Wandlung letzlich eine neue, bessere Einstellung zu anderen Menschen bekommt und erkennt, das materieller Erfolg nicht alles im Leben ist. Er entdeckt neue Stärken an sich und stellt fest, dass Wohlstand und Karriere verbunden mit Rücksichtslosigkeit nicht glücklich machen. Immer wieder stellt er heraus, wie gut und mit wieviel Respekt die Mitarbeiter bei Starbucks behandelt werden.
Und genau das ist es, was mir persönlich an machen Stellen im Buch etwas zuviel des Guten ist. Die Geschichte gefällt mir grundsätzlich gut, sie regt oft zum Nachdenken an und bringt viel Positives rüber. Aber manchmal beschleicht einen eben der Verdacht, ob die Lobhudelei gegenüber Starbucks vielleicht doch andere Hintergründe hat.
Aber vielleicht kommt das auch nur daher, weil eine “typisch” amerikanische Erzählung in einem “typisch” europäischen Gehirn manchmal einfach andere Reaktionen auslöst …
Eine schöne und unterhaltsame Geschichte, wenn man unvoreingenommen an das Buch herangeht. Große Erkenntnisse darf man sich aber nicht erwarten.
Bewertung:
3 von 5 Lesezeichen
Starbucks und ich. Wie ich alles verlor und das Glück wiederfand. Von Michael Gates Gill. Erschienen im Knaur Taschenbuch Verlag im Juli 2008. 320 Seiten.
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