Mein Amerika Dein Amerika

Ein unterhaltsames Portrait des amerikanischen Alltags ist der Gegenstand dieses Buchs. Die beiden Autoren haben selbst in den USA gelebt und berichten – ergänzt um sehr viele Hintergrundinformationen – ihre eigenen Erlebnisse und Erfahrungen.
Titel: Mein Amerika Dein Amerika. Von Tom Buhrow und Sabine Stamer.
Aus dem Klappentext:
Wieso man über die Frage “How are you?” nicht lange nachdenken sollte, weshalb viele Gläubige weite Wege zur ihrer Kirche in Kauf nehmen, warum das Auto für Jugendliche der wichtigste Ort auf Erden ist, und wieso ein Friedhofsbesuch nicht lange dauern muss. Auf diese und andere Fragen gibt das vorliegende Buch Antwort.
Meine Meinung zu diesem Buch:
Tom Buhrow dürfte den meisten als ARD-Korrespondent und Tagesthemen-Moderator bekannt sein. Zusammen mit seiner Frau, der Journalistin Sabine Stamer, läßt er den Leser in dem knapp 300 Seiten starken Buch am Alltag in den USA teilhaben. Je nachdem, wieviele USA-Erfahrungen der einzelne von uns schon gemacht hat, scheint manches unser Amerika-Bild und die unweigerlich damit verbundenen Vorurteile zunächst zu bestätigen. So etwa die Ausführungen zur alltäglichen, aber aus deutscher Sicht oberflächlichen, Begrüßungsfloskel “How are you?” oder die Beinahe-Fangfrage “How dow you like America?”.
Die beiden Autoren lassen es bei der Schilderung ihrer Alltagserlebnisse jedoch nicht beim ersten und vermeintlich offensichtlichen Eindruck bewenden, sondern hinterfragen die Dinge, deren tieferer Sinn sich oft erst auf den zweiten Blick erschließt. Wie etwa die Liebe der Amerikaner zu ihren Autos. Natürlich ist das Auto das Symbol der in den USA so groß geschriebenen Mobilität. Aber darüberhinaus ist es eben auch oftmals die einzige Entfaltungsmöglichkeit für ein jugendliches Liebespaar – das eigene Zimmer kommt im für unsere Begriffe prüden Amerika dafür nicht in Frage.
Für große Erheiterung gesorgt hat bei mir in diesem Zusammenhang das Kapitel über die Sexualität, Intimität und Privatspäre in der amerikanischen Gesellschaft und die blumige Umschreibung von Sachverhalten. Eine kleine Schildkröte darf man beim Hochheben auf keinen Fall am hinteren Ende berühren, denn “That is the bathroom end”. Aha. Schildkröten haben also Badezimmer-Enden. Für junge europäische Eltern dürfte interessant sein, dass man sein Baby unter keinen Umständen nackt am Strand oder sonstwo herumkrabbeln läßt, da dies das amerikanische Schamgefühlr verletzt.
In unzähligen Beispielen werden amerikanische Sitten und Gebräuche geschildert, die manchmal Schmunzeln, Kopfschütteln oder auch lautes Lachen hervorrufen. Egal, ob es um Ferienerlebnisse, Glaubens- oder Gesundheitsfragen geht: Niemals wird etwas ins Lächerliche gezogen, vielmehr werden immer die Hintergründe beleuchtet, so dass manche Skurrilität dann doch bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar erscheint. Amerikaner sind eben nicht Europäer (und umgekehrt).
Ich fand das Buch sehr unterhaltsam und informativ. Man merkt, dass die beiden Autoren wirklich eine intime Kenntnis des amerikanischen Alltags besitzen und diese auch wunderbar zu Papier bringen konnten.
Informativ – sehr unterhaltsam – lesenswert. Nicht nur für USA-Freunde.
Bewertung:
4 von 5 Lesezeichen
Mein Amerika Dein Amerika. Tom Buhrow und Sabine Stamer. Erschienen im Rowohlt Verlag.
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Mein Name ist Martin Weiß. Ich bin ein Büchernarr und schreibe hier meine ganz persönliche Meinung über Bücher, die ich für lesenswert halte. Und die ich tatsächlich auch selbst gelesen habe.
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