Einkommen für alle

Rezension: Grundeinkommen für alle
Ein existenzsicherndes Grundeinkommen: Für jeden Bürger, an keinerlei Bedingungen oder Gegenleistungen geknüpft. Kann so etwas funktionieren? Wie hoch müßte es ausfallen? Wie könnte es finanziert werden? Und welche Konsequenzen ergäben sich für den Arbeitsmarkt und für Deutschland insgesamt in unserer globalisierten Welt? Der Autor zeichnet in seinem Buch ein unglaubliches Gedankenspiel.

Titel: Einkommen für alle Von Götz W. Werner.

Aus dem Inhalt:

Das bedingungslose Grundeinkommen – eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Die Würde und die Freiheit des Menschen beinhalten das Recht, nein sagen zu können. Diese Freiheit hat nur, dessen Existenzminimum abgesichert ist. Die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen beruht damit auf der zentralen Grundlage unserer Verfassung: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Einkommen ist ein Bürgerrecht.


Meine Meinung zu diesem Buch:

Der Autor

Wenn man eines von Götz W. Werner behaupten kann, dann dass er kein weltfremder Phantast ist, der auf einer Insel der Glückseligen lebt. Es handelt sich nämlich um den Gründer der dm-Drogeriemärkte, einen gestandenen und erfolgreichen Unternehmer. Umso erstaunlicher sind seine Thesen, die man eben gerade nicht aus dem Mund eines Geschäftsmannes erwartet hätte. Mittlerweile hat er die Unternehmensführung abgegeben und tingelt durch die Lande, um seine Idee einem immer größer werdenden Publikum vorzustellen. Darüberhinaus ist er Professor am Institut für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe.

Die Aufmachung des Buchs

Die mir vorliegende Ausgabe ist 2008 als Taschenbuch erschienen und umfaßt etwas über 230 Seiten. Es ist in 4 große Abschnitte unterteilt, die sich wiederum in jeweils ca. 10 kleinere Unterkapitel aufteilen. Daran schließt sich ein Verzeichnis für weiterführende Literatur an sowie eine Sammlung von Weblinks zum Thema Grundeinkommen. Ein Stichwortverzeichnis vermißt man allerdings.

Der Inhalt

Die Idee von Götz Werner: Die Entkopplung von Arbeit und Einkommen. Er vertritt die Ansicht, dass das Grundeinkommen sich aus dem Grundgesetz ableiten läßt und ein Grundrecht ist, welches für jeden und absolut bedingungslos gelten würde. Dazu führt er Artikel 1 und 2 ins Feld, welche die Würde des Menschen und die Unversehrtheit von Freiheit und Leben als höchste zu schützende Güter benennen. Heruntergebrochen auf konkretere Bedürfnisse heißt das: Man braucht etwas zu essen, Kleidung und ein Dach über dem Kopf und die Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen – im angemessenen Rahmen, versteht sich. Eine Gegenleistung in Form von Arbeit hingegen sieht Werner im Grundgesetz nicht. Soviel zur Theorie.

Jeder Mensch also, egal welchen Alters und unabhängig von seinem Vermögen oder sonstigen Einkünften hätte das Anrecht auf ein bestimmtes Grundeinkommen. Doch damit nicht genug: Auch das Steuersystem müßte komplett umgekrempelt werden. Es würden sämtliche Steuern entfallen, mit Ausnahme einer Konsumsteuer. Nur dadurch ließe sich nach Ansicht des Autors zum einen so etwas wie Steuergerechtigkeit erreichen, zum anderen wäre dieses System nicht mehr investitions- und wachstumshemmend.

Werner ist sich natürlich dessen bewußt, dass es sich dabei um radikale, ja geradezu unglaubliche Gedanken handelt. Aber er bittet den Leser, sich auf dieses Gedankenspiel einfach mal einzulassen. Eine der ersten Fragen, die sich viele stellen dürften: Wie könnte so ein Grundeinkommen finanziert werden?

Götz Werner schlägt vor, dass sämtliche anderen sozialen staatlichen Transferleistungen dadurch ersetzt werden. Der Wegfall der unzähligen staatlichen Sozialleistungen als Gegenzug für ein einheitliches, bedingungsloses Grundeinkommen würde zu einem massiven Bürokratieabbau und Kosteneinsparungen führen. Eine Umstellung des Steuersystems auf ausschließliche Konsumsteuern hätte auch den Wegfall sämtlicher bisherigen Steuerfreibeträge und sonstigen Steuervergünstigungen zur Folge. Besteuert würde nicht mehr das Arbeitseinkommen, die Investitionen oder das Vermögen, sondern lediglich der Verbrauch. Wer viel oder luxuriös verbraucht, zahlt viel. Wer sparsam ist oder auf unnötigen Luxus verzichtet – wie auch immer das zu definieren sein mag – zahlt wenig.

Aus Unternehmersicht würden die Arbeitskosten sinken, da aufgrund des Grundeinkommens niedrigere Löhne gezahlt werden könnten. Die Exporte würden steigen, Deutschland wäre plötzlich für ausländische Investoren interessant.

Aus Arbeitnehmersicht wäre eine Konsequenz, dass man eben nicht mehr zwingend jede noch so stupide Arbeit annehmen muß, sofern man sich mit einem geringen Einkommen begnügen mag. Die Menschen würden verstärkt die Arbeit machen, die ihnen liegt und Freude bereitet. Die Folge wäre, dass schmutzige, laute und stumpfsinnige Arbeit zukünftig endlich besser bezahlt werden müsste, damit sie überhaupt noch jemand macht. Oder dass solche Arbeit eben stärker automatisiert würde.

Denn genau das, so Götz Werner, ist ein Paradox unserer Zeit: Wir streben immer höhere Effizienz und Automatisierung an, um unser Leben zu erleichtern. Und verteufeln auf der anderen Seite, dass dadurch Arbeitsplätze eingespart werden. Wenn man aber zum Überleben nicht mehr zwingend arbeiten müsste, würde sich dieses Problem nicht ergeben.

Mein abschließendes Urteil

Zugegeben, ich war anfangs sehr skeptisch angesichts der geradezu aberwitzigen These. Je mehr man sich auf die Gedanken und Argumente des Autors einläßt und über die theoretische Möglichkeit des Grundeinkommens nachdenkt, desto eher erscheint es einem zumindest grundsätzlich denkbar. Man darf sich von diesem Buch keine bis ins letzte Detail durchdachte und fertig umsetzbare Handlungsanleitung erwarten. Viele Fragen werden nur angerissen und auch nicht abschließend beantwortet.

Aus meiner Sicht ist das Buch aber gerade deshalb empfehlenswert, weil es zum Nachdenken zwingt. Und wenn man sich die vielen Initiativen ansieht, die es nicht nur in Deutschland zum Thema Grundeinkommen gibt, dann wird klar, dass es sich nicht um eine reine Spinnerei handelt.

Fazit:
Radikal in der These, kreativ in den Vorschlägen. Ein Leseempfehlung nicht nur für arbeitsscheue Nichtsnutze ;-)
 
Bewertung:

4 von 5 Lesezeichen

 
 
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Einkommen für alleGötz W. Werner. 239 Seiten. Erschienen im Bastei Lübbe Verlag

Andere Infos und Rezensionen zu diesem Buch im Internet:

Kommentare

2 Kommentare zu “Einkommen für alle”

  1. eliterator am Sonntag, 27. Dezember, 2009 23:21

    Die Idee klingt tatsächlich unglaublich, danke, dass du das Buch unter die Lupe genommen und vorgestellt hast..Vielleicht lohnt es sich tatsächlich, genauer darüber nachzudenken..

  2. Elivator am Mittwoch, 24. Februar, 2010 12:50

    Es ist nicht möglich!

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