Buch-Ratschlag

Die Welt ist flach

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Die Welt ist flach
Globalisierung ist ein großes Wort, das meistens als Erklärung für Stellenabbau und/oder -verlagerung in Billiglohnländer herangezogen wird. Was steckt aber genau dahinter? Ist Globalisierung tatsächlich nur ein Bedrohung oder kann sie auch Chance sein? Und wenn ja, für wen?

Die hier vorgestellte überarbeitete und erweiterte Fassung des Bestsellers von Thomas L. Friedman versucht das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten.

Titel: Die Welt ist flach. Globalisierung im 21. Jahrhundert. Thomas L. Friedman.

Aus dem Inhalt:

Was treibt unsere Welt heute an? Was sind die Spielregeln des globalen Marktes? Und wie wirkt sich all dies auf unser Leben aus? Thomas L. Friedmans Buch wagt den großen Überblick und erklärt die Revolution, die unser aller Leben verändert hat. Die Kulturen der Welt sind zusammengerückt und die Wirtschaft operiert global. Packend und prägnant erzählt der dreifache Pulitzer-Preis-Träger von den Spielregeln des Computerzeitalters, seinen Chancen und Gefahren.


Meine Meinung zu diesem Buch:
Äußerer Eindruck: Mit ca. 760 Seiten in der gebundenen Fassung ein ziemlicher Wälzer.
Blick ins Inhaltsverzeichnis: Gut strukturiert. Liest sich vielversprechend.
Jetzt aber zum Inhalt:
Thomas L. Friedman zeigt auf, dass die Globalisierung an sich kein neues Phänomen ist. Er benutzt dabei ein Drei-Phasen-Modell:

  • Globalisierung 1.0: Die Entdeckung der Neuen Welt durch Christoph Kolumbus und die damit verbundene Ausdehnung des Handels und Ausweitung des Einflusses von Ländern und Staaten. Diese Phase reichte bis etwa in das Jahr 1800.
  • Globalisierung 2.0: Von 1800 bis 2000. Unternehmen und Konzerne agieren zunehmend global. Ausgelöst durch die industrielle Revolution und vorangetrieben durch den technischen Fortschritt bis in unsere heutige Zeit.
  • Globalisierung 3.0: Etwa ab dem Jahr 2000. Jetzt haben erstmals Individuen und kleine Gruppen die Möglichkeit, global tätig zu werden, zu konkurrieren aber auch zusammenzuarbeiten. Ermöglicht wird dies vor allem durch die Ausbreitung des Internets und die sinkenden Kommunikationskosten.

Der Autor legt dar, dass sich somit nicht nur Risiken, sondern auch große Chancen für den Einzelnen ergeben – sofern man gewillt und in der Lage ist, sich auf die unvermeidlichen Veränderungen einzulassen. Die Anpassungsfähigkeit wird zum wichtigsten beruflichen Kriterium. An die Stelle von Spezialisten mit ihrem Detailwissen in einem eng begrenzten Feld oder Generalisten mit einem weiten Einsatzbereich, aber weniger fundierten Kenntnissen treten zukünftig die sogenannten Versatilisten. Flexible Beschäftigte, die sich schnell an Veränderungen anpassen und ständig lernen und sich weiterentwickeln können. Der Einzelne wird mehr und mehr selbst verantwortlich für seine Fortbildung. Jeder wird sozusagen zu seiner eigenen Firma.

Das im Zusammenhang mit dem Begriff Globalisierung unweigerlich genannte Argument der Massenentlassungen aufgrund von Outsourcing und Offshoring (d.h. das Auslagern von kompletten Prozessen wie Fertigung oder Buchhaltung in andere Länder) bleibt in diesem Buch natürlich nicht unerwähnt. Friedman argumentiert hier aber, dass die in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommenen Stellenverluste bei Großkonzernen durch viele neu geschaffene Stellen in anderen Bereichen aufgefangen werden – vor allem bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die flexibel auf geänderte Rahmenbedingungen reagieren können. Ansonsten wären die Arbeitslosenquoten weitaus höher. Die Neuschaffung von Stellen ist lediglich nicht so medienwirksam und wird daher weniger wahrgenommen.

Der Autor bringt untermauert mit Beispielen, dass der Personlabbau durch Outsourcing auch nicht zwingend zur reinen Kostenersparnis erfolgen muss. Einfache, standardisierbare Arbeiten werden ausgelagert, um an anderer Stelle in “kreatives” Personal zu investieren und damit zum Wachstum des Unternehmens beizutragen. Dass das für die Betroffenen ein schwacher Trost ist, wird im Buch leider geflissentlich übergangen.

Trotzdem stellt Friedman die Globalisierung und die damit verbundenen Auswirkungen auf unser Leben durchaus kritisch dar. Er findet viele Beispiele für Chancen und Erfolge, die sich bereits ergeben haben, läßt aber auch nicht unerwähnt, dass ihm manche Dinge im Hinblick auf die Zukunft durchaus Unbehagen bereiten. So etwa die Frage, was man seinen Kindern im Hinblick auf die berufliche Zukunft mit auf den Weg geben soll.

Insgesamt ist das Buch aus einem sehr amerikanischen Blickwinkel geschrieben. Manche Vorschläge zur Verbesserung der wirtschaflichen Situation sind bei uns schon lange Gang und Gäbe, so etwa eine allgemeine Krankenversicherung für alle. Auch der noch als unerschütterlich dargestellte Bankensektor (das Buch erschien 2007) rief bei mir angesichts der Bankenkrise ein etwas bitteres Lächeln hervor – so schnell ändern sich die Zeiten.

Auch wenn das Buch in einigen Bereichen vielleicht nicht mehr auf dem allerneuesten Stand ist, fand ich die Lektüre auf jeden Fall lesenswert. Gut gefiel mir, dass es sich um keine allzu einseitige Betrachtung der Dinge handelt. Friedman versuchte eine ausgeglichene Darstellung von Chancen und Risiken. Und das ist ihm meiner Meinung nach ganz gut gelungen.

Fazit:
Ein guter Überblick zum Thema Globalisierung. Umfangreich, oft sehr amerikanisch, aber lesenswert!

Bewertung:

4 von 5 Lesezeichen

 

Die Welt ist flach: Eine kurze Geschichte des 21. Jahrhunderts
Thomas L. Friedman. 770 Seiten. Erschienen im Suhrkamp Verlag.

 
Andere Infos und Rezensionen zu diesem Buch im Internet:

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2 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Weiß,

    ich beschäftige mich aufgrund meines Studiums mit der Globalisierung 2.0. Die von Ihnen zusammengefasste Einteilung in 3 Phasen finde ich sehr gelungen. Könnten Sie mir sagen, auf welche Seiten in welcher Ausgabe des Werkes Sie sich beziehen?

    Vielen Dank für Ihre Antwort

  2. Hallo Herr Weiß (schön, mal von einem Namensvetter einen Kommentar zu erhalten ;-) )

    die Version, die ich gelesen habe, war die ungekürzte Lizenzausgabe der RM Buch und Medien Vertrieb GmbH – auf gut Deutsch: Die Ausgabe vom Bertelsmann Bücherclub, in der gebundenen Hardcover-Version. Diese basiert auf der vom Autor aktualisierten und erweiterten Ausgabe von 2007.

    Das Phasenmodell beschreibt der Autor in dieser Ausgabe im ersten Kapitel (“Während ich schlief”) auf den Seiten 20 und 21.

    Grüße,
    Martin Weiß

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