Buch-Ratschlag

Die Numerati

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Die Numerati
Wir leben in einer Welt aus Zahlen. Bits und Bytes bestimmen unser Leben, oftmals mehr, als wir uns vorstellen können. Daten werden über uns gesammelt, verarbeitet und ausgewertet.

Ob das die Payback-Karte ist, mit der wir bei Einkaufen fleißig Punkte sammeln, ob wir bei Amazon die Buchangebote durchblättern oder auf eine Anzeige in einer Online-Zeitung klicken: Wir hinterlassen überall unsere elektronischen Fußabdrücke. Aber wer genau hat nun unsere Daten und was läßt sich wirklich damit anfangen?

Titel: Die Numerati. Datenhaie und ihre geheimen Machenschaften. Stephen Baker.

Aus dem Inhalt:

Ob wir eine Kreditkarte benutzen, im Internet surfen oder mit dem Handy telefonieren – immer hinterlassen wir digitale Spuren. Diese Spuren fügen sich zusammen zu klaren, regelmäßigen Mustern – für den, der sie zu lesen weiß. Findige Experten können so etwas: Sie sind die “Numerati” – mathematisch geschulte Experten, die darauf trainiert sind, Zusammenhänge zu erkennen, wo andere nichts als Chaos sehen. Die Numerati wissen, was Menschen kaufen, wie sie wählen, was sie lieben, worauf sie hören…


Meine Meinung zu diesem Buch:
Für ein Sachbuch hat Stephen Baker für meinen Geschmack einen etwas reißerischen Namen als Titel ausgewählt – Dan Brown läßt grüßen! Auch beim Lesen bekommt man immer wieder den Eindruck vermittelt, als ob es sich bei den von ihm so genannten Numerati um irgendeinen verschwörerischen Geheimbund handelte.

Das ist dann aber auch schon die größte Kritik, die ich in meiner Rezension anbringen möchte. Ansonsten sind die Ausführungen sehr interessant und nachvollziehbar gehalten, ohne abgedroschen zu wirken. Es geht um Mathematiker, Informatiker und Wissenschaftler, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, unsere Datenspuren auszuwerten und uns damit berechenbarer zu machen.

An Hand von sieben verschiedenen Bereichen zeigt Baker auf, wo und wie das von uns produzierte Datenmaterial ausgewertet wird und was damit heute schon gemacht werden kann – und mit welchen Schwierigkeiten die Datenanalysten bei der Interpretation ihrer Ergebnisse zu kämpfen haben.

Das Kapitel über die arbeitende Bevölkerung läßt die Angst vor einer Orwell’schen Überwachung durch die Arbeitgeber aufkommen. Wenn etwa Unternehmen versuchen, sämtliche Mitarbeiter zu “digitalisieren”, das heißt detaillierte Profile über Stärken, Schwächen, Fähigkeiten, Leistungs- und Produktivitätsprofile anzulegen, um dann per Knopfdruck den für eine Aufgabe am besten geeignetsten und leistungsfähigsten Mitarbeiter durch einen Computer auswählen zu lassen, dann beschleicht einen schon ein eigenartiges Gefühl in der Magengegend. Auch wenn aufgrund der bei uns (noch) geltenden Datenschutzrichtlinien bei weitem nicht so viel erlaubt ist, wie etwa in den USA, wird klar, in welche Richtung die Reise geht.

Die Käufer sind die Gruppe, bei der am leichtesten nachvollziehbar ist, warum möglichst viele Daten gesammelt und ausgewertet werden: Wer die Vorlieben seiner Kunden kennt, kann diese gezielter durch Werbung ansprechen und zu weiteren Käufen verleiten. In einer Zeit der knappen Werbebudgets haben eben jene Unternehmen die größten Chancen auf Erfolg, die die Konsumenten möglichst zielgerichtet und ohne Streuverluste ansprechen.

Sehr interessant fand ich das Kapitel über die Wähler. Zwar auf den amerikanischen Wahlkampf zugeschnitten wird auch hier deutlich, dass insbesondere die sogenannten Wechselwähler eine vielversprechende Zielgruppe für gezielte Manipulation sein können. Und je mehr über den einzelnen Wähler bekannt ist, desto eher lassen sich entsprechende Muster ableiten und für einen gezielten Wahlkampf einsetzen.

Es folgen weitere Kapitel über Blogger, Terroristen, Patienten und schließlich auch die Liebenden. Hier seien als Stichwort die Partnervermittlungsbörsen genannt, die aufgrund von detaillierten persönlichen Informationen und darauf angewandten Algorithmen versuchen, den idealen Partner zu finden.

Auch wenn die beschriebenen Beispiele und Szenarien oft ein beklemmendes Gefühl auslösen, mitunter vielleicht zu Paranoia führen: Stephen Baker hat hier keinen Verschwörungsroman geschrieben. Er zeigt sachlich fundiert und trotzdem fesselnd und unterhaltsam, dass der bewußte Umgang mit seinen persönlichen Daten immer wichtiger wird. Mit entsprechendem Hintergrundwissen wird es sogar möglich sein, die Werkzeuge der Datensammler zu unserem eigenen Vorteil einzusetzen. Und dazu muss man kein Mathematiker, kein Numerati sein.

Ein Verzeichnis mit weiterführenden Quellen und Literaturhinweisen sowie ein Anmerkungsverzeichnis runden das lesenswerte Buch ab.

Fazit:

Sauber recherchiert und (zum Glück) nicht so reißerisch, wie der Titel vielleicht vermuten läßt.

Bewertung:

4 von 5 Lesezeichen

 

Die Numerati. Datenhaie und ihre geheimen MachenschaftenStephen Baker. 264 Seiten. Erschienen im Hanser Wirtschaft Verlag

 
Andere Infos und Rezensionen zu diesem Buch im Internet:

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