
An einem verkaufsoffenen Sonntag führte mich mein Weg in die örtliche Buchhandlung. Beim Stöbern durch die Regale stach mir dieses Buch ins Auge: Schlichte und gerade deswegen ansprechende Aufmachung. Und ein kleiner runder Aufkleber “Bestseller”. Ich muß allerdings gestehen: Bisher hatte ich weder von diesem Titel noch vom Autor etwas gehört. Nachdem mir aber auch die nette Verkäuferin das Buch empfahl, ließ ich mich überzeugen.
Titel: Die Arbeit der Nacht. Thomas Glavinic.
Aus dem Inhalt:
Jonas erwacht. Es ist ein Morgen wie jeder andere. Kaffee zum Frühstück: Die Zeitung liegt nicht vor der Tür, wie letzten Monat schon einmal. Als in Radio, Fernsehen und Internet auch nur Rauschen kommt, beginnt die erste Irritation. Das Telefon bei seiner Freundin klingelt ins Leere. Jonas tritt auf die Straße. Jetzt ist keine Täuschung mehr möglich. Er ist allein.
Meine Meinung zu diesem Buch:
Ein faszinierender Gedanke: Was wäre, wenn man plötzlich völlig allein auf der Erde wäre? Dem Held der Handlung ist genau das passiert. Jonas, in Angestellter aus Wien, wacht plötzlich in einer völlig leeren Welt auf. Er findet keinerlei Hinweise, warum alle anderen Menschen plötzlich verschwunden sind.
Er zieht durch die leere Stadt auf der Suche nach einem Lebenszeichen. Mehr und mehr wird er paranoid und geht ohne Gewehr nicht mehr auf die Straße. Sein Tagesablauf wird bestimmt durch das Kontrollieren von Videobändern, die aus Kameras stammen, welche er überall in der Stadt aufgestellt hat.
Der Schreibstil von Thomas Glavinic ist anfangs gewöhnungsbedürftig, passt aber ganz gut zur Handlung. Als Leser überkommt einen immer wieder ein beklemmendes Gefühl bei der Vorstellung dieses surrealen Szenarios. Manchmal ist man nicht sicher, ob sich die geschilderte Handlung vielleicht auch nur in der Phantasie von Jonas abspielt.
Die rätselhaften kleinen Ereignisse, die um Jonas herum immer wieder geschehen und hinter deren Urheber er erst mit der Zeit kommt, steigern anfangs noch die Spannung. Allerdings zieht sich das Buch auch teilweise ziemlich in die Länge. Es passiert wenig Neues, auch die Erkundungsreisen des Protagonisten durch Österreich, Deutschland und England sind letztendlich eine Fortführung des bereits Erzählten.
Wer am Ende der knapp 400 Seiten jedoch auf eine Auflösung der Geschehnisse hofft, wird leider enttäuscht. Es wäre schön gewesen, wenn wenigstens ein paar Fragen beantwortet worden wären. Oder die ansonsten gute Geschichte etwas kürzer gehalten wäre.
Interessante Geschichte. Beklemmend, teils aber mit Längen und nicht immer ganz logisch.
Bewertung:
3 von 5 Lesezeichen
Die Arbeit der Nacht
Thomas Glavinic. 395 Seiten. Erschienen im dtv – Deutscher Taschenbuch Verlag.
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